Gehaltsvergleich Pflege & MFA in NRW: TVöD-P vs. AVR
Warum der Träger über das Gehalt entscheidet
Pflegekräfte und Medizinische Fachangestellte (MFA) in NRW arbeiten unter sehr unterschiedlichen Tarifbedingungen. Ob ein Krankenhaus oder Pflegeheim öffentlich-kommunal, kirchlich (Caritas oder Diakonie) oder privat betrieben wird, bestimmt maßgeblich, welcher Tarifvertrag gilt – und damit die Höhe des Grundgehalts, der Zulagen und des Weihnachtsgeldes. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die drei wichtigsten Tarifsysteme im NRW-Gesundheitswesen.
TVöD-P: Der Maßstab im kommunalen Krankenhausbereich
Der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst, Bereich Pflege (TVöD-P), gilt für Beschäftigte bei kommunalen Arbeitgebern – darunter Städtische Kliniken in Köln, Düsseldorf, Essen oder Bonn. Die aktuelle Entgelttabelle gilt ab dem 1. April 2025 (Erhöhung um +3,0 %, mindestens 110 Euro). Ab 1. Mai 2026 folgt eine weitere Anhebung um +2,8 %.
Die Eingruppierung erfolgt in die Pflegeentgeltgruppen P5 bis P16. Praxisrelevante Gruppen und ihre Gehaltsspannen (Stufe 1 bis Stufe 6, Stand: 01.04.2025):
- P8 (examinierte Pflegefachkraft, 3-jährige Ausbildung): 3.600 € bis 4.367 €
- P9 (Pflegefachkraft mit anerkannter Fachweiterbildung, z. B. Intensiv oder OP): 3.884 € bis 4.535 €
- P10 (höherwertige Fachweiterbildung): 4.070 € bis 4.826 €
- P12 (Stationsleitung kleinerer Einheiten): 4.530 € bis 5.344 €
Hinzu kommen ab April 2025 eine monatliche Pflegezulage von 141,82 Euro, eine Wechselschichtzulage von 250 Euro sowie eine Schichtzulage von 100 Euro. Das Weihnachtsgeld beträgt je nach Gruppe zwischen 50 und 84,51 Prozent eines Durchschnittsmonatsgehalts.
Quelle: oeffentlicher-dienst.info, TVöD-P Entgelttabelle 01.04.2025; Tarifrunde VKA 2025.
AVR Caritas: Weitgehend parallel zum TVöD-P
Die Arbeitsvertragsrichtlinien der Caritas (AVR Caritas) gelten bundesweit für rund 700.000 Beschäftigte in ca. 25.000 Einrichtungen – darunter viele Krankenhäuser und Pflegeheime im Rheinland. Der Pflegedienst in Krankenhäusern wird über Anlage 31, Anhang B (P-Tabelle) geregelt.
Die Tariferhöhungen orientieren sich stark am TVöD: +3,0 % (mindestens 110 Euro) zum 1. Juli 2025 und +2,8 % zum 1. Februar 2026. Die Wechselschichtzulage steigt ebenfalls auf 250 Euro, die Schichtzulage auf 100 Euro. Examinierte Pflegefachkräfte werden bei der Caritas in Entgeltgruppe P7 eingruppiert; mit Fachweiterbildung erfolgt eine Höhergruppierung entsprechend der Tätigkeit. Die konkreten Monatswerte können über den offiziellen Lambertus-Gehaltsrechner (lambertus.de/gehaltsrechner) abgerufen werden.
Ein wesentlicher Unterschied: Kirchliche Arbeitgeber unterliegen nicht dem Betriebsverfassungsgesetz. An deren Stelle treten Mitarbeitervertretungen (MAV) nach den jeweiligen kirchlichen Ordnungen.
Quelle: oeffentlichen-dienst.de, AVR Caritas Entgelttabellen 01.07.2025–31.01.2026 und 01.02.2026–31.03.2027.
TV MFA: Ein eigener Tarif für Arztpraxen
Medizinische Fachangestellte in niedergelassenen Arztpraxen fallen nicht unter den TVöD, sondern unter den Gehaltstarifvertrag für MFA (TV MFA), der zwischen dem Verband medizinischer Fachberufe (VMF) und der Bundesärztekammer ausgehandelt wird. Der seit 1. Januar 2025 gültige Vertrag hat eine Laufzeit von 24 Monaten.
Die Vergütung richtet sich nach sechs Tätigkeitsgruppen und Erfahrungsstufen:
- Einstieg in Gruppe I (Berufsanfänger): ca. 2.124 € brutto
- Höchstwert in Gruppe VI (spezialisierte Tätigkeit, viel Erfahrung): ca. 3.065 € brutto
Die erste Tariferhöhung (+3,85 %) trat im Januar 2025 in Kraft, die zweite Stufe (+3,4 % im Durchschnitt) folgt im Januar 2026. Zum 1. Januar 2026 wird zudem eine neue Berufsjahrstufe ab dem 33. Berufsjahr eingeführt.
Für MFA, die im öffentlichen Dienst tätig sind – etwa in kommunalen MVZ oder Gesundheitsämtern –, gilt abweichend der TVöD-VKA, mit Eingruppierung in E5 (Einstieg: ca. 3.124 €, Maximum: ca. 3.783 €).
Quelle: Bundesärztekammer, Gehaltstarifvertrag MFA ab 01.01.2025, veröffentlicht 13.12.2024; medi-karriere.de, TVöD MFA 2026.
Direkte Gegenüberstellung: Was zählt wirklich?
Für Pflegefachkräfte in NRW gilt: Die Gehaltsunterschiede zwischen TVöD-P und AVR Caritas sind in der Grundtabelle gering, weil beide Systeme ihre Erhöhungen eng koordinieren. Entscheidender sind oft die Zulagen (Schicht, Nacht, Feiertag) sowie Sozialleistungen wie Betriebsrente, Jobrad-Leasing oder Kinderbetreuungszuschüsse – hier weichen die einzelnen Träger voneinander ab.
MFA in Arztpraxen liegen nach TV MFA nominal unter den Klinikgehältern. Der Unterschied gegenüber dem TVöD-E5 beträgt je nach Gruppe und Stufe bis zu 1.000 Euro monatlich – allerdings sind Praxen häufig stärker auf geregelte Tagesarbeitszeiten ausgerichtet, was für manche einen eigenen Wert darstellt.
Bei einem Trägerwechsel lohnt sich ein konkreter Vergleich der Gesamtvergütung unter Einschluss aller Zulagen, Sonderzahlungen und Nebenleistungen – nicht nur des Grundtabellenwerts.
- Was verdient eine examinierte Pflegefachkraft im TVöD-P in NRW?
- In der Pflegeentgeltgruppe P8 (3-jährige Ausbildung) liegt das Grundgehalt je nach Stufe zwischen 3.600 € und 4.367 € brutto monatlich (Stand: 01.04.2025). Hinzu kommen unter anderem eine Pflegezulage von 141,82 € sowie ggf. Wechselschicht- und Schichtzulagen.
- Verdient man bei der Caritas (AVR) mehr oder weniger als im TVöD-P?
- Die Gehaltsunterschiede in der Grundtabelle sind gering, weil beide Systeme ihre Tariferhöhungen eng koordinieren (jeweils +3,0 % bzw. +2,8 % in 2025/2026). Examinierte Pflegefachkräfte werden bei der Caritas in Entgeltgruppe P7 eingruppiert; entscheidender sind oft Zulagen und Nebenleistungen, die je nach Träger variieren.
- Was verdienen Medizinische Fachangestellte (MFA) in NRW?
- Nach dem TV MFA reicht die Spanne von rund 2.124 € brutto als Berufsanfänger (Gruppe I) bis etwa 3.065 € brutto in Gruppe VI mit viel Erfahrung. MFA im öffentlichen Dienst, etwa in kommunalen MVZ, werden abweichend nach TVöD-VKA in E5 eingruppiert (ca. 3.124 € bis 3.783 €).
- Warum ist das Gehalt in Arztpraxen niedriger als im Krankenhaus?
- MFA in Arztpraxen fallen unter den eigenständigen TV MFA, der nominal unter den Klinikgehältern liegt — der Unterschied zum TVöD-E5 kann je nach Gruppe und Stufe bis zu 1.000 € monatlich betragen. Praxen bieten dafür häufig geregeltere Tagesarbeitszeiten ohne Schichtdienst.
- Wie hoch ist die Wechselschichtzulage in der Pflege in NRW?
- Sowohl im TVöD-P als auch in der AVR Caritas beträgt die Wechselschichtzulage seit den Tarifrunden 2025 einheitlich 250 Euro monatlich, die Schichtzulage 100 Euro.